Die Rahmenfestlegung AgNes der Bundesnetzagentur (BNetzA) geht in die nächste Runde. Mit dem nächsten Expertenaustausch nimmt die Ausgestaltung der Netzentgelte für Batteriespeicher weiter Konturen an. Für den Speichermarkt, für BESS-Projekte und für die Projektfinanzierung ist das mehr als ein Regulierungsthema – es beeinflusst direkt Business Cases, Bewertungen und Investitionsentscheidungen.
Was sich abzeichnet: Ein Teil der Effekte ist bereits eingepreist
Unsere Markteinschätzung: Ein Teil der wirtschaftlichen Effekte aus der Debatte rund um Netzentgeltfreiheit und künftige Netzentgeltregelungen für Batteriespeicher ist bereits eingepreist. Viele Marktteilnehmer haben begonnen, regulatorische Unsicherheit in Modellannahmen und Renditeanforderungen zu berücksichtigen.
Gleichzeitig steht ein Punkt im Raum, der die Dynamik deutlich verschärfen kann: die diskutierte „unechte Rückwirkung".
„Unechte Rückwirkung": Risiko für geplante und entwickelte Speicherprojekte
Die diskutierte unechte Rückwirkung könnte dazu führen, dass Netzentgeltvorteile auch für bereits geplante oder entwickelte Projekte eingeschränkt oder gestrichen werden – selbst wenn diese Effekte im Business Case bereits berücksichtigt waren.
Damit verschieben sich Investitions- und Bewertungslogiken im Speichermarkt. Nicht nur neue Projekte, sondern auch laufende Entwicklungen werden neu bewertet, weil sich zentrale Annahmen zur Erlös- und Kostenstruktur ändern können.
Was wir im Markt hören: Bewertungslogiken verschieben sich
In Gesprächen mit Investoren und Entwicklern hören wir wiederkehrend drei Punkte:
- Netzentgeltfreiheit wird nicht automatisch als verlässliche Annahme unterstellt
- Erwartete Renditen reagieren spürbar auf regulatorische Unsicherheit
- Pauschale Risikoaufschläge werden diskutiert
Damit wird entscheidend, welche BESS-Projekte regulatorische Anpassungen wirtschaftlich tragen können – ohne dass Finanzierung, Bewertung oder Umsetzbarkeit kippen.
Unsere Präferenz: Flexible Netzentgelte statt pauschaler Belastung
Aus unserer Sicht sollte die Reform nicht auf pauschale Belastung hinauslaufen, sondern netzdienliches Verhalten konsequent incentivieren.
Zeit- und netzzustandsabhängige Netzentgelte setzen genau hier an:
- Sie bepreisen tatsächliche Netzengpässe statt pauschale Netznutzung
- Sie schaffen ein monetarisierbares Preissignal
- Sie ermöglichen Speichern, Engpässe aktiv zu vermeiden
Das adressiert einen Kernpunkt: Speicher können netzdienlich agieren – aber dafür braucht es ein Preissignal, das systemdienliches Verhalten ökonomisch attraktiv macht.
Studienlage: Dynamische Netzentgelte und Redispatch
Studien (u. a. Eco Stor / Neom) zeigen, dass dynamische Netzentgelte den Redispatch-Bedarf reduzieren und Netzausbaukosten senken können – bei gleichzeitig handelbaren Erlösperspektiven für BESS-Betreiber.
Warum das wichtig ist: Integration erneuerbarer Energien braucht Flexibilität
Batteriespeicher sind eines der wirksamsten Instrumente zur Integration von erneuerbaren Energien. Was bislang fehlt, ist der ökonomische Anreiz, sich systemdienlich zu verhalten.
Genau hier liegt die Chance der AgNes-Reform: Netzentgelte so zu gestalten, dass Flexibilität belohnt wird – und nicht pauschal als Kostenblock behandelt wird.